BRCC107: Wie gehen junge Menschen mit dem TikTok-Algorithmus um? Kristina Kobrow: 51 Prozent der Jugendlichen und jungen Erwachsenen in Deutschland nutzt täglich die Kurzvideo-Plattform TikTok. Was sie dort zu sehen bekommen, entscheiden sie nur zu einem Teil selbst. Ein algorithmisches Empfehlungssystem trifft eine Vorauswahl, sortiert und steuert. Was wissen junge Menschen über die Funktionsweise dieses Algorithmus? Wie interagieren sie mit ihm und welche Emotionen sind dabei im Spiel? Das hat eine #UseThe-News-Studie vom Leibniz-Institut für Medienforschung I Hans-Bredow-Institut untersucht und mit der Erstautorin Dr. Leonie Alatassi spreche ich heute über die Ergebnisse. Jingle: BredowCast. Wir erforschen was mit Medien. Kristina Kobrow: Liebe Leonie, schön, dass du da bist. Herzlich willkommen. Leonie Alatassi: Hallo Kristina, vielen Dank für die Einladung. Kristina Kobrow: Sehr gerne. Bevor wir direkt einsteigen und über TikTok sprechen, sollten wir vielleicht mal einmal was sagen, was wahrscheinlich die wenigsten HörerInnen so richtig interessiert. Wir sind heute hier in einem brandneuen Podcaststudio. Wir sind umgezogen mit dem Leibniz-Institut für Medienforschung I Hans-Bredow-Institut hier in Hamburg in die Warburgstraße 30b und sind hier jetzt wirklich vor Akustikpanelen, auf Stühlen, hinter einem Vorhang. Es ist total luxuriös. Eigentlich bräuchten wir jetzt einen Sekt oder so. Das haben wir nicht. Wir haben nur unser Wässerchen hier vor uns. Das ist auch vielleicht ganz gut. Denn wir sprechen über ein ernstes Thema, über die Plattform TikTok und Jugendliche und das algorithmische Empfehlungssystem. TikTok kennen wahrscheinlich die meisten oder alle unserer HörerInnen. TikTok ist ein soziales Medium für Kurzvideos. Man kann dort eigene Videos hochladen, Videos von anderen ansehen, diese Videos liken, teilen, kommentieren und Nachrichten schreiben. Was, Leonie, ist denn jetzt dieses algorithmische Empfehlungssystem? Was macht das? Leonie Alatassi: Das ist eine gute Frage direkt am Anfang. Du hast es ja schon gesagt. TikTok ist eine Kurzvideoplattform. Das Besondere an TikTok ist die sogenannte For-You-Page, also die Für-Dich-Seite, auf der eben personalisiert Videos vorgeschlagen werden, die Nutzerinnen und Nutzer dann konsumieren. Diese Videos entsprechen in der Regel den eigenen Interessen und spiegeln diese sehr gut wider. Und dahinter steckt eben das algorithmische Empfehlungssystem, das Videos vorschlägt, die mir im besten Falle gefallen und mit denen ich dann interagiere. Das heißt, die ich mir zu Ende anschaue, die ich vielleicht like, die ich kommentiere oder die ich in Direktnachrichten an meine Freunde auf der Plattform schicke. Kristina Kobrow: Und die For-You-Page ist die Startseite quasi, oder? Leonie Alatassi: Genau. Neben der For-You-Page gibt es die sogenannte Folge-Ich-Seite. Da werden dann explizit Inhalte angezeigt von Accounts und Profilen, denen man folgt. Und auf der For-You-Page ist es sozusagen ein bisschen durchmischter. Also da werden nicht nur Inhalte angezeigt von Accounts, denen ich folge, sondern alle möglichen Inhalte basierend auf meinem Verhalten. Denn da kommt das algorithmische Empfehlungssystem ins Spiel. Das heißt, es wird eben auf Grundlage meiner eigenen Interaktionen, das wäre dann sowas, wie ich eben erzählt habe, das Liken, das Kommentieren, das sind sogenannte Engagementmetriken oder Interaktionen mit dem Video. Und die fließen zum Beispiel als Datengrundlage da mit ein. Da fließt aber auch sowas mit ein, wie meine Geräte und Account-Einstellungen, also an welchem Standort befinde ich mich, in welchem Land befinde ich mich. Habe ich ein iPhone oder ein Android-Telefon? Und das sind ganz viele verschiedene Datenquellen, die zusammen ausgewertet eben darauf einzahlen, was mir dann letzten Endes auf meiner For-You-Page ausgespielt wird. Kristina Kobrow: Das heißt aber auch, wenn ich jetzt ein iPhone habe, werden mir andere Dinge darauf gespielt, als wenn ich jetzt ein Android-Handy habe? Leonie Alatassi: Also nicht unbedingt, aber das ist eben ein Einflussfaktor, der vor allem dann ins Spiel kommt, wenn es um auch personalisierte Werbung geht. Denn auf TikTok sieht man ja nicht nur Content von Profilen, also seien es jetzt Unterhaltungsvideos, lustige Videos, Nachrichtenvideos, sondern ja auch Werbeanzeigen, die da geschaltet werden. Und da ist das dann, das wäre dann ein Beispiel, wo das relevant werden könnte. Genauso wie der Standort zum Beispiel. Kristina Kobrow: Und was habt ihr jetzt oder was hast du genau untersucht in der Studie? Was war da euer Erkenntnisinteresse? Leonie Alatassi: Ja, da ging es darum, vielleicht muss ich am Anfang erst mal erzählen, wer unsere Zielgruppe war, also mit wem wir die Studie durchgeführt haben. Denn das ist ja eine sehr spezielle Zielgruppe. Also es waren Jugendliche und junge Erwachsene. Da rede ich von der Altersgruppe normalerweise fast mal darunter so 14- bis 24-Jährige, also Jugendliche und junge Erwachsene. Wir haben die Studie jetzt durchgeführt mit 16- bis 24-Jährigen in drei verschiedenen Städten. In Hamburg, Düsseldorf und Erfurt haben wir die Interviews und Fokusgruppen durchgeführt. Und es ging uns darum herauszufinden, was junge Menschen eigentlich über dieses algorithmische Empfehlungssystem wissen, wie sie damit interagieren. Denn wir wissen ja, du hast es am Anfang auch gesagt, der Großteil der Jugendlichen und jungen Erwachsenen in Deutschland nutzt TikTok, also ist täglich oder zumindest wöchentlich auf dieser Plattform. Das heißt, die jungen Menschen kommen schon in Berührung mit den Algorithmen, die eben hinter ihrer personalisierten For-You-Page stehen. Und uns hat interessiert herauszufinden, inwiefern ihnen das bewusst ist, inwiefern sie auch konkret mit dem algorithmischen Empfehlungssystem, der von den meisten als “mein Algorithmus” bezeichnet wird, interagieren, welche Emotionen da auch bei involviert sind. Und das Ganze ist vielleicht auch wichtig, um die Erkenntnisse einzuordnen, dass wir uns sozusagen auf das Konzept der sogenannten algorithmischen Kompetenz konzentriert haben. Das bedeutet einfach, dass wir uns verschiedene Ebenen angeguckt haben. Also wir haben uns sowohl angeschaut, inwiefern ist den Befragten das bewusst, dass da eben eine algorithmische Selektion und Filterung vorgenommen wird. Was wissen Jugendliche und junge Erwachsene auch darüber? Also bevor ich ein Video sehe, wissen die das eigentlich, was da vorher passiert? Genau. Und was da vorher passiert in der konkreten Nutzungssituation und auch ganz allgemein gesprochen. Weil es ja also algorithmische Empfehlungssysteme gibt es ja nicht nur bei TikTok, sondern auch bei Instagram oder bei YouTube. Die unterscheiden sich ein bisschen. Das Besondere ist ja eben bei TikTok dieses spezielle System, was so gut funktioniert. Aber das war sozusagen so die eine Ebene, die wir uns angeguckt haben. Also das Wissen darüber. Wir haben uns daneben aber auch das Handeln angeschaut. In unserer Studie fallen darunter Aspekte, inwiefern wird eben mehr oder weniger bewusst mit dem algorithmischen Empfehlungssystem, mit dem Algorithmus interagiert. Also eine Interaktion kann dann erfolgen über beispielsweise das Kommentieren oder Liken von Videos oder auch die Eingabe von Suchbegriffen. Und die dritte Ebene, die wir uns angeschaut haben, ist das Fühlen. Und da ging es eben um emotionale Aspekte, die aufkommen in der Interaktion mit dem Algorithmus. Also in einer Nutzungssituation, in dem Jugendliche und junge Erwachsene, wo sie dann auf der Plattform sind und mehr oder weniger bewusst mit dem Algorithmus interagieren. Und diese drei Komponenten kann man als Dimensionen der sogenannten algorithmischen Kompetenz begreifen. Und diese drei Dimensionen haben wir uns auch angeschaut. Kristina Kobrow: Und zu den Ergebnissen kommen wir natürlich auch gleich. Das ist natürlich das Spannendste überhaupt. Vorweg aber auch nochmal gefragt: Du hast jetzt gesagt, drei Städte, Jugendliche, junge Erwachsene, 16 bis 24 Jahre. Wie habt ihr die denn dann befragt? War das online? Waren die vor Ort? Wie war das? Leonie Alatassi: Also es handelt sich hierbei um eine qualitative Studie. Das heißt, dass wir mit wenigen Menschen gesprochen haben. Also wir haben jetzt keine tausend Leute, die ein Online-Fragebuch zum Beispiel ausgefüllt haben, sondern wir haben in einem ersten Schritt Fokusgruppen geführt. Fokusgruppen mit Jugendlichen und Fokusgruppen mit jungen Erwachsenen, die gemischt zusammengesetzt waren. Also da waren welche dabei, die waren 16 Jahre alt, 17 Jahre alt. Männliche, weibliche Personen, unterschiedliche formale Bildungsniveaus. Also gemischte Gruppen in diesen drei Städten. Und die haben in Person stattgefunden. Also da saß ich mit den Jugendlichen und jungen Erwachsenen an einem Tisch. Das waren immer fünf oder sechs. Und da hatte ich eine Aufgabe auch vorbereitet. Das war sozusagen das Besondere für diese Fokusgruppen, die wir durchgeführt haben, dass in der Gruppe auch eine gemeinsame Aufgabe bearbeitet wurde. Und da haben die Befragten erst, also selbst in Einzelarbeit, verschiedene Faktoren aufgeschrieben, von denen sie denken, dass es eben ihre For-You-Page beeinflusst. Also das wurde dann in der Fokusgruppe genannt, die individuelle For-You-Page als Lieblingsgericht. Dann ging es eben um Faktoren, also um Zutaten, die es braucht für dieses Gericht, damit am Ende die personalisierte For-You-Page rauskommt. Damit haben wir gearbeitet und das war eben sehr zugänglich, weil dann alle auf Zettel die ganzen Faktoren aufgeschrieben haben. Und die Gruppenaufgabe bestand dann darin, sich darüber zu unterhalten, “was hast du denn du aufgeschrieben? Ich habe hier Likes, hast du das auch?” Und in der Gruppe dann diese ganzen Faktoren zu ordnen, zu kategorisieren, also auch Namen für die Oberkategorien zu finden und sich einfach darüber auszutauschen, was wissen wir eigentlich, welche Faktoren beeinflussen das, wo sind wir uns vielleicht nicht ganz sicher, wo schreiben wir mal ein Fragezeichen hin? Und am Ende hat die Gruppe ihre Gesamtarbeit sozusagen mit den Oberkategorien und den angeordneten Zetteln vorgestellt. Und aus diesen Gruppendiskussionen heraus haben wir dann in einem zweiten Schritt noch Einzelinterviews geführt mit Teilnehmenden, die schon bei den Fokusgruppen dabei waren, aber in einem zeitlichen Abstand, ungefähr vier Wochen später, haben wir dann nochmal mit zwölf Jugendlichen und Jungerwachsenen diese individuellen Einzelinterviews geführt, die dann online stattgefunden haben und auch sehr viel länger, also die haben so zwischen Stunde 15 und eineinhalb Stunden gedauert, wo wir dann wirklich nochmal individuell auf die Personen und auf ihr Verhalten eingehen konnten. Also da ging es nochmal viel tiefer, als es in den Fokusgruppen möglich war. Genau, denn in den Einzelinterviews haben wir auch mit den TikTok-Daten der Teilnehmenden gearbeitet. Das heißt, die haben im Vorfeld eine Anleitung bekommen, wie sie ihre Daten über ihren Account bei TikTok anfordern können, herunterladen können und Teile an uns spenden können, die dann eben ausgewertet werden. Das heißt, wir konnten in den Einzelinterviews, wir haben uns nur einen sehr begrenzten Zeitraum angeschaut, weil wir eben die Bundestagswahl, die in Deutschland im Februar stattgefunden hat, mit drin haben wollten. Das heißt, wir haben uns den Zeitraum Januar bis April angeschaut und konnten mit den Befragten und Angucken zum Beispiel, wie viele Likes wurden dann in dem Zeitraum vergeben oder wie viele Videos wurden im Durchschnitt geschaut oder welche Suchbegriffe wurden in der Zeit auch in die Suchleiste bei TikTok eingegeben. Und dann konnten wir eben nochmal sehr viel individueller darüber sprechen, wie die Plattform eigentlich genutzt wird. Das ist, glaube ich, auch sehr, sehr interessant. Kristina Kobrow: Was seht ihr dann eigentlich? Also was für Daten kriegt ihr? Du hast jetzt gesagt Likes, Suchbegriffe, aber zum Beispiel, was direkt in jedem Kommentar stand, das sieht man dann nicht, oder? Leonie Alatassi: Also die Daten, die man anfordert, die sind sehr reichhaltig. Da bekommt man alles Mögliche an Informationen, also noch mehr als das, was wir ausgewertet haben. Denn wir haben wirklich uns nur das angeschaut, was für unsere Forschung relevant war, weil wir natürlich, das sind ja auch sensible Daten, das sind teilweise ja auch personenbezogene Daten aus dem Profil heraus. Das haben wir alles sozusagen beiseite getan und haben uns nur die Aspekte angeschaut, die wir auch vorab mit den Teilnehmenden besprochen haben, also wofür wir die Einwilligung bekommen haben, dass wir uns das angucken können. Und das waren wirklich nur die Engagementdaten, also Likes, Kommentare, wem gefolgt wird, wer blockiert wird und welche Suchanfragen es gab und die Anzahl der Videos. Also man hätte noch viel mehr auswerten können, wir haben uns aber nur auf die für uns auf Grundlage der Forschungsfragen relevanten Daten konzentriert. Kristina Kobrow: Und gab es, also wie war die Haltung da von den Jugendlichen, weißt du das? Du hast gesagt, die Einwilligung war da, aber waren die vielleicht auch skeptisch oder sowas? Weil sie ja schon viel rausgegeben haben, ohne dich und euch jetzt irgendwie wirklich persönlich zu kennen. Das ist ja doch ganz schön was, was man da irgendwie abgibt oder ein Einblick für dich. Leonie Alatassi: Ja, tatsächlich war es, der Vorteil war sozusagen, dass wir durch die Fokusgruppen ja schon Kontakt mit den jungen Leuten hatten und es wurde sozusagen im Vorfeld war schon klar, wer es dann noch an einem darauffolgenden, an einem Follow-up-Interview interessiert. Und da war, da wussten die Jugendlichen, die jungen Erwachsenen auch, dass das sozusagen die Voraussetzung ist. Nichtsdestotrotz gab es aber schon auch Skepsis und es gab auch ein paar Personen, die dann abgesprungen sind, die dann danach gesagt haben, ich fühle mich dabei doch nicht so wohl. Und das ist ja auch total verständlich. Da mussten wir eben schauen, okay, gibt es vielleicht eine andere Person, die sich das vorstellen kann. Und da haben wir auch viel geredet und aufgeklärt und ganz genau beschrieben, was was wir überhaupt machen, wie wir da vorgehen und haben natürlich auch auf der Seite der Forschung sozusagen geschaut, dass es nur zwei Personen gibt, die überhaupt Zugang zu diesen Daten haben, die ja dann auch nach Ablauf einer bestimmten Zeit vernichtet werden, dass keine personenbezogenen Daten ausgewertet werden und dass das natürlich anonymisiert ist. Also wenn man das Arbeitspapier zu der Studie zum Beispiel liest, erfahren wir etwas über das Alter und das Geschlecht. Aber wir verwenden zum Beispiel Pseudonyme, also wir verwenden nicht den tatsächlichen Vornamen der Teilnehmenden, damit eben kein Zusammenhang hergestellt werden kann zwischen Daten und einzelnen Personen. Kristina Kobrow: An dieser Stelle vielleicht auch kurz eingeschoben, das Arbeitspapier, was du gerade genannt hast, das verlinken wir natürlich auch in den Show Notes. Das ist auf unserer Webseite www.leibniz-hbi.de auch zu finden. Letzte Frage, aber auch nochmal dazu, wenn du gesagt hast, die Jugendlichen können die Daten bei TikTok anfordern, wie mache ich das konkret und wie lange dauert es dann, bis ich da ein Ergebnis kriege? Leonie Alatassi: Das ist ganz unterschiedlich. Also man kann das in den Account-Einstellungen, kann man die eigenen Daten eben anfordern in verschiedenen Dateiformaten und man bekommt dann eben eine Textdatei, die man sich runterladen kann. Also man fordert das an, dann muss man warten. Das dauert manchmal ein paar Stunden, in manchen Fällen ein paar Tage. Also das war ganz unterschiedlich, wie lange das wirklich gedauert hat und man bekommt auch keine Benachrichtigung. Also man muss dann wieder aktiv ins eigene Profil gehen und schauen, ob die Daten schon vorliegen. Wenn die vorliegen, kann man sich diese Datei eben herunterladen als Text- oder JSON-Datei und ja, damit hat man die. Kann man noch nicht so viel damit anfangen, wenn man da reinliest. Also man braucht dann eben Programme, mit denen man die Daten entsprechend aufbereiten kann. Aber prinzipiell kann jeder Nutzer und jede Nutzerin die eigenen Daten anfordern und sich runterladen. Und nochmal gucken, was habe ich eigentlich so die letzten Tage, Wochen, Monate? Kristina Kobrow: Ich weiß gar nicht, wie lange das zurückgeht... Leonie Alatassi: Das geht tatsächlich zum Erstellen des Accounts zurück. Kristina Kobrow: Ach krass. Okay, interessant. Du merkst, ich bin nicht auf TikTok aktiv. Genau. Dann kommen wir doch mal zu den Ergebnissen. Du hast vorhin schon die algorithmische Kompetenz angesprochen und die drei Komponenten, die es gibt. Nämlich Wissen, Handeln und Fühlen. Fangen wir beim Wissen einmal an. Ich habe auch in das Arbeitspapier ja reingeschaut und ich habe dort eine Aussage gefunden, wo ich jetzt auch, du hast ja auch gesagt, es wurde anonymisiert. Das heißt, ich weiß nicht, wer das war, wie alt die Person war. Aber diese Person hat gesagt: “Ich habe mir allgemein über die App noch nie so Gedanken gemacht. Einfach runtergeladen, benutzt und mehr auch nicht. Und so über die Daten auch noch nicht.” Ist das eine Aussage, die auch auf viele andere zutrifft oder gab es da Unterschiede? Leonie Alatassi: Also es gab schon Unterschiede, aber die Mehrheit der jungen Leute, mit denen wir gesprochen haben, teilt diese Einstellung. Also das spiegelt einfach so ein bisschen dieses, ich nenne es mal, etwas geringe Problembewusstsein mit Blick auf die eigenen Daten wieder. Das heißt, da sind wir jetzt sozusagen im Bereich Wissen und da sehen wir schon, dass eigentlich alle, also gruppenübergreifend und teilnehmendenübergreifend, haben alle so ein gewisses Bewusstsein für die algorithmischen Empfehlungssysteme, für die algorithmische Auswahl. Kristina Kobrow: Mit gruppenübergreifend meinst du altersgruppenübergreifend? Leonie Alatassi: Ne, damit meinte ich jetzt Fokusgruppen. Wir haben ja sechs verschiedene Fokusgruppen geführt. Wenn ich jetzt gruppenübergreifend sage, dann meine ich, dass das in allen sechs Fokusgruppen diskutiert wurde und wir festgestellt haben. Aber damit natürlich auch altersübergreifend, weil die Gruppen ja unterschiedlich zusammengesetzt waren, aber das habe ich jetzt gerade auf die Gruppen bezogen in den verschiedenen Städten. Das heißt, wir kennen das ja auch aus unserem Alltag, das kann man dann oft an Aussagen festmachen, wie “mein Algorithmus kennt mich da schon ganz gut” oder “das macht mein Algorithmus immer so und so” oder “ich schaue mir Videos an, die mir mein Algorithmus gibt”. Also es gibt so ein gewisses Bewusstsein dafür, dass da Algorithmen sind, die mir, die dafür verantwortlich sind, was ich da sehe, die mir gute Inhalte anzeigen. Kristina Kobrow: Also man verlässt sich darauf? Leonie Alatassi: Ja, man verlässt sich darauf und man ist sich dessen einfach auch bewusst mittlerweile, dass es das gibt. Und das weist halt auch darauf hin, dass es eher so ein intuitives Verständnis gibt, was sich ja auch aus der Nutzungssituation heraus ergibt. Es ist weniger das tatsächliche Wissen, beispielsweise über verschiedene Datenquellen, die damit einfließen. Das wäre jetzt zu technisch, da einzusteigen. Aber was ich damit nur sagen will, ist, dass die Befragten eben so ein intuitives Bewusstsein, Verständnis schon hatten, aber auf der einen Seite eben nicht gut beschreiben konnten, wie das eigentlich funktioniert. Also wie ist zum Beispiel die technische Funktionsweise dieser Systeme? Welche Daten fließen da ein? Und entsprechend auch ein geringes Problembewusstsein eben dahingehend haben, das ist das, was in dem Zitat ja auch wieder gespiegelt wird. Welche Daten da eigentlich erhoben werden? Weil es schon teilweise erwähnt wurde, dass es ja Datenschutzbestimmungen gibt, die man ja auch unterzeichnen muss, um die App nutzen zu können. Das kennen wir alle. Das sind dann diese ewig langen Texte. Da gibt es bei TikTok Datenbestimmungen, Cookie-Richtlinien, wo man alle sozusagen die Boxen checken muss, um überhaupt auf der Plattform aktiv zu sein... Kristina Kobrow: ...sich natürlich nicht durchliest... Leonie Alatassi: …und das wird auch genau so geäußert. Ja, ich habe da mal irgendwas angekreuzt. Was genau weiß ich aber gar nicht. Aber ich muss es ja machen, um die App nutzen zu können. Kristina Kobrow: Das war das Wissen, über das wir jetzt gerade gesprochen haben. Wie ist es denn bei der zweiten Kompetenz, bei dem Handeln? Also wie interagieren die Nutzenden mit dem Algorithmus oder nicht? Beziehungsweise, wenn ja, wie geht das denn eigentlich genau? Wie funktioniert das technisch? Leonie Alatassi: Das ist sehr interessant, weil wir da schon sehen, dass es eine Reihe an Interaktionen gibt, die da in der täglichen Nutzung sozusagen vonstatten gehen. Es gibt verschiedene Interaktionen, aber beispielsweise nehmen wir mal die Video-Interaktion. Da fällt dann sowas drunter, wie ich like ein Video, ich kommentiere unter einem Video, ich speichere mir ein Video zum Beispiel in meiner Favoritenliste, damit ich mir es hinterher nochmal angucken kann oder so. Oder ich veröffentliche ein Video erneut. Das bedeutet, wenn ich ein Video erneut veröffentliche, dass es zum Beispiel auch Freunden von mir auf ihrer For You-Page angezeigt wird. Nach dem Motto, “hey, das Video fand ich total cool, das mochte ich.” Dann wird es nochmal veröffentlicht und da steigt die Chance, dass Freunde das sehen. Kristina Kobrow: Also irgendeine Art von sichtbarer Aktion. Leonie Alatassi: Genau, sichtbare Aktion. Dann gibt es noch, ich habe das mal glaube ich Sozial-Interaktion genannt. Man kann ja auch auf TikTok in privaten Chats mit Freunden Videos hin- und herschicken oder man kann unter einem Video eine Freundin, einen Freund markieren. Solche Sachen. Das sind dann beispielsweise Praktiken, die vor allem auf das Beziehungsmanagement einzahlen. Also da wird dann berichtet, dass es eben viel Spaß macht, mit Freunden zu interagieren, dass man das Gefühl hat, da denkt jemand an mich, wenn jemand mir ein Video schickt oder mich irgendwo runter kommentiert, dann ist das ja so ein Zeigen von, “hey, hier, das habe ich gesehen, das könnte dir gefallen”. Also das ist eben super wichtig, vor allem auch für Jugendliche, um einfach mit Freunden in Kontakt zu bleiben und sich auszutauschen. Und der Großteil dieser Interaktionen, der findet, ich sage mal, unbewusst oder implizit statt. Also das entspricht einfach der gewöhnlichen Nutzungssituation, sich Videos, die irgendwie unterhaltend für mich sind, zu Ende anzugucken und dann weiter zu scrollen. Oder wenn ich jetzt irgendwas sehe, was mir besonders gefällt, dass ich da auf ein Like tippe oder so. Das passiert sozusagen ohne explizite Steuerungsabsicht. Ich gebe nochmal, damit du besser weißt, was ich meine, ein Beispiel für Interaktionen, die zum Beispiel sehr bewusst und explizit stattfinden. Das wäre so etwas wie, dass unsere Teilnehmenden öfter berichtet haben, dass sie Videos auf ihrer For-You-Page sehen, die sie überhaupt nicht mögen. Wo sie sagen, die Creatorin mag ich zum Beispiel gar nicht oder das ist ein Inhalt der beispielsweise Tierquälerei, den möchte ich mir jetzt nicht anschauen. Dann hat man die Möglichkeit, auf das Video zu gehen und das entweder zu melden, also diesen Inhalt wirklich zu melden, weil man denkt, okay, das verstößt zum Beispiel gegen die Richtlinien. Oder auf das Video zu gehen und als “nicht interessiert” zu markieren. Und das hat eben zur Folge, dass wenn ich Videos immer als nicht interessiert markiere, dass mir diese Inhalte natürlich auch weniger angezeigt werden. Auf der anderen Seite, wenn ich viele Likes vergebe, wird mir potenziell ähnlicher Inhalt mehr angezeigt. Und das wären sozusagen bewusste Interaktionen, dass wir halt Teilnehmende haben, die sagen manchmal, wenn mich ein Thema zum Beispiel richtig nervt oder es mich überhaupt nicht interessiert, dann nutze ich diese Funktion, die “nicht interessiert”. Dann wird das einfach weggemacht und mir werden solche Videos nicht mehr angezeigt. Kristina Kobrow: Aber das ist ja gut. Kristina Kobrow: Das ist gut, genau. Das ist gut. Das ist in dem Moment, kann ich dann sozusagen meine eigene Handlungsmacht ausüben. Und weil ja jetzt in dem Fall war das ein Befragter, der das gesagt hat und der dann auch beschreibt, das wird dann weggemacht und mir nicht mehr angezeigt. Das heißt, das war ja auch positiv, wie du gerade gesagt hast. Das war sozusagen erfolgreich. Also ich wollte, dass mir weniger Inhalte davon angezeigt werden und das habe ich erreicht. Oder ich möchte mehr Videos von einem bestimmten Creator haben. Also folge ich diesem Creator und like vielleicht die ganzen Videos und dann bekomme ich mehr Inhalte davon angezeigt. Und dann ist es auch erfolgreich. Und in dem Moment beschreiben die Teilnehmenden eben ja ihre eigene Handlungsmacht, also dass sie fähig sind, in dem Moment sozusagen Kontrolle gegenüber dem Algorithmus auszuüben, indem sie diese Interaktionsmöglichkeiten nutzen und auch sehen, dass es Wirkung entfaltet, indem eben mehr oder weniger Content angezeigt wird. Kristina Kobrow: Wobei ja bei dem ersten Fall, also der zweite ist klar, wenn du gesagt hast, irgendwie die Creatorin, der Host oder sowas, den mag ich, dann werden mir mehr Videos davon angezeigt. Wenn es jetzt aber genau das Gegenteil war, dieses Video mag ich nicht, dann weiß ja TikTok trotzdem noch nicht, was mag ich denn eigentlich? Oder das kann ja irgendwie alles Mögliche sein, bunte Tüte. Und das andere ist vielleicht dann wieder sowas, wo ich sage, nee, mag ich auch nicht, mag ich auch nicht, mag ich auch nicht. Also das kann ja doch eine Unzufriedenheit dann irgendwie bleiben. Leonie Alatassi: Ja, natürlich. Das ist ja auch, also auf der For-You-Page ist es ja sozusagen Ausprobieren immer mal wieder. Also es ist schon sehr basierend auf meinem Verhalten und auf Verhalten von anderen, die ähnliche Inhalte mögen, wird eben geschaut, okay, welche Videos zeigen wir an, wo wir die höchste Engagementrate mit erzielen können. Also wir zeigen, TikTok zeigt dann, es werden Videos angezeigt, wo man annehmen kann, dass ich die mag, dass ich die zu Ende gucke, dass ich die like, dass ich damit interagiere. Aber es gibt, es soll sozusagen immer noch so diesen kleinen Überraschungsfaktor geben, dass man halt auch Neues entdecken kann. Und natürlich, wie du sagst, kann es dann sein, dass das Inhalte sind, die mich nicht so interessieren, die ich dann einfach, wo ich dann ganz schnell weiter scrolle, zum Beispiel. Kristina Kobrow: Du hattest am Anfang, oder nicht am Anfang des Podcasts, sondern eben am Anfang deiner Antwort auch gesagt, manche machen das so intuitiv. Also sie scrollen einfach runter, sie, ich weiß gar nicht, wie man das denn nennt, also sie liken nicht, sie kommentieren nicht, es gibt quasi kein sichtbares Engagement an dieser Stelle. Da, ich weiß gar nicht, ob ihr das rausgefunden habt, aber würde mich interessieren, wenn jetzt in der Fokusgruppe genau sowas gesagt wurde, ja, weiß ich gar nicht, ob ich da irgendwie wirklich was mit mache. Und in den Daten aber sichtbar war, naja, die Person hat ja überall irgendwie was geteilt oder geliked. Gab es da diese Diskrepanz? Also dass Leuten das gar nicht so bewusst war, wie viel sie da eigentlich reingeben? Leonie Alatassi: Also man muss natürlich erst mal sagen, das sind, wie du hast es auch so genannt, das sind sichtbare Zeichen. Also ein Like ist ein sichtbares Zeichen, aber das sind ja nicht die einzigen Daten, die aufgezeichnet werden. Also neben diesen sichtbaren Zeichen wird ja auch erhoben auf der Plattform zum Beispiel ganz genau, wie lange schaue ich mir ein Video an. Also schaue ich mir das bis zum Ende an? Oder nach wie vielen Sekunden scrolle ich weiter? Genau, wie schnell wische ich weiter? Also mit welcher Geschwindigkeit, wo halte ich an, an welcher Stelle? Was catcht meine Aufmerksamkeit? Und das sind natürlich auch Daten, die mit einfließen, die jetzt auf der ersten Ebene nicht so sichtbar sind wie ein Like, wo aber natürlich, das nennt man dann zum Beispiel Watchtime oder das Scrollverhalten, wo man natürlich auch daran ablesen kann, welche Inhalte interessant sind. Und was du gesagt hast jetzt mit Blick auf die Likes zum Beispiel, das haben wir dann in den individuellen Interviews gesehen, weil wir uns da ja mit den Teilnehmenden wirklich eine Grafik angeschaut haben, wo man nachverfolgen konnte, in welchem Monat wie viele Likes vergeben wurden. Und da gab es gar nicht so eine große Diskrepanz. Also da konnten Teilnehmenden sehr gut schon einschätzen, ob sie eher Personen sind, die sehr sporadisch mal ein Like vergeben oder ob es Personen sind, die sozusagen jedes Video in Anführungszeichen liken. Also da war die Einschätzung schon ganz gut, würde ich sagen. Es ging eher bei der Nutzungsdauer auseinander. Also da hat es aber auch sowohl in die eine als auch in die andere Richtung, das fand ich ganz interessant, weil wir wissen auch aus vorherigen Studien, dass es eher so ist, dass die eigene Nutzungszeit unterschätzt wird. Also dass man beispielsweise sagt, ich bin zwei Stunden am Tag bei TikTok, man ist aber tatsächlich drei Stunden am Tag bei TikTok, als Beispiel. Das hatten wir auch bei vielen, die dann deutlich mehr Zeit auf TikTok verbracht haben, sich mehr Videos angeguckt haben. Aber wir hatten es auch bei ungefähr gleich vielen, die dann tatsächlich sich etwas überschätzt haben. Und ich weiß nicht genau, woran das liegt, aber ich kann mir natürlich auch vorstellen, dass TikTok ja nicht die einzige Plattform ist, die genutzt wird, sondern da wird dann geswitcht zwischen TikTok und Snapchat und dann auf Instagram und dann auf YouTube. Und dass man eben das Gefühl hat, man ist, dass man da total viel unterwegs ist auf Social Media Plattformen, aber das sozusagen TikTok als eine Plattform davon, dass da dann die Nutzungszeit halt ein bisschen geringer ist als eingeschätzt. Kristina Kobrow: Und gibt es bei den Befragten eine Zahl, also gab es da keinen zum Beispiel, der unter zwei Stunden in der Woche TikTok anhatte oder was war so da das Gros? Leonie Alatassi: Also es gab auf jeden Fall welche, die unter zwei Stunden mit dabei waren, was aber natürlich auch daran liegt, das hatte ich am Anfang gesagt, wir haben uns halt einen sehr engen Zeitraum angeschaut. Also wir haben uns die Monate Januar bis April angeschaut. Und da gab es zum Beispiel Personen, die dann gerade zum Jahresbeginn sich vielleicht auch vorgenommen haben, TikTok ein bisschen weniger zu benutzen. Genau, deswegen, was so quantitative Aussagen angeht, das ist einfach, da ist unsere Studie kein guter Referenzpunkt, weil wir eher wirklich qualitativ reingegangen sind und ganz genau darüber gesprochen haben, wann wurde welcher Suchbegriff eingegeben, warum wurde der Suchbegriff eingegeben, vor allem im Kontext der Bundestagswahl. Aber da müsste man dann sozusagen die Gesamtheit der Daten auswerten und wirklich die vergangenen zwei, drei Jahre sich anschauen, wie das da geschwankt hat. Kristina Kobrow: Dann komme ich zu der dritten Kompetenzdimension, nämlich Fühlen, also die Emotionen. Da war ja die Frage, was macht TikTok eigentlich attraktiv und was nervt euch? Was habt ihr da rausfinden können? Leonie Alatassi: Ja, ich fand tatsächlich den Aspekt der Emotionen am interessantesten. Also in allererster Linie muss man schon sagen, dass TikTok und auch der Umgang mit diesen, es sind ja empfohlene Inhalte letzten Endes, empfohlene Videos, dass das auf sehr, sehr positiven Gefühlen beruht und positive Gefühle hervorruft. Also in allererster Linie wird das sozusagen sehr wertschätzend beschrieben. Das äußert sich dann darin, dass Fokusgruppen übergreifend berichtet wurde, dass einfach die Wahrnehmung besteht, dass die For-You-Page supergut die eigenen Interessen widerspiegelt, dass es sehr, sehr personalisiert ist, wodurch es natürlich diese gute Passung gibt. Dass es einfach das Gefühl gibt, es wird mir genau das angezeigt, was ich eigentlich schauen möchte, was ich in dem Moment brauche. Damit hängt auch zusammen, dass es als sehr inspirierend beschrieben wird, also dass es auch positive Gefühle hervorruft, weil eben gesagt wird, der TikTok-Algorithmus führt dazu, dass ich immer wieder Inspiration bekomme für neue, seien es jetzt neue Geheimtipps, was Reisen angeht oder neue Kochtipps oder neue Outfit-Empfehlungen. Dass insgesamt einfach die Wahrnehmung besteht, dass der Algorithmus die eigenen Bedürfnisse erfüllt. Denn darum geht es ja. Also was sind die Nutzungsmotive Nummer eins? Wenn wir darauf schauen, warum gehen Jugendliche und junge Erwachsene auf die Plattform? Weil sie unterhalten werden wollen. Sie möchten witzige, lustige Videos sich anschauen. Sie wollen sich die Zeit vertreiben. Sie wollen einfach so einen lockeren Zeitvertreib. Und dafür ist TikTok sozusagen perfekt. Weil genau diese Bedürfnisse befriedigt werden. Kristina Kobrow: Ja, aber ja auch erschafft werden, oder? Auf eine Art und Weise. Je nachdem, was ich für ein Content jetzt anschaue. Aber es hält mich ja immer weiter dabei. Also wenn ich jetzt einmal, ich gucke jetzt hier auf die Akustik-Paneele, die hinter uns sind, wenn ich mich einmal für Inneneinrichtungen oder so interessiere, dann wird das ja auch immer weiter gepusht, sodass dieses Interesse vielleicht bei mir immer stärker wird. Bis ich vielleicht irgendwann denke, jetzt reicht es auch mal. Aber erst mal nimmt es halt zu. Leonie Alatassi: Ja, total. Also genau diese Wechselwirkungen entstehen dann natürlich. Weil das ist eben die Spirale, die auch hinter dem Algorithmus dann letzten Endes steht. Wie du sagst, ich interessiere mich für Inhalte. Dann schaue ich mehr Videos, generiere mehr Watchtime für diese Inhalte, like diese Inhalte vielleicht, schicke was an meine Freunde, suche nochmal nach speziellen Wandpaneelen für Podcast-Studios. Und das alles signalisiert, das sind ja Signale, die signalisieren, diese Person interessiert sich dafür und deswegen kommt mehr Content auf die For You-Page. Genau. Und das kann, also das ist erst mal positiv, weil dadurch eben die Wahrnehmung in erster Linie entsteht, “boah, ich bekomme genau das angezeigt, was ich möchte”. Es kann aber auch umschlagen und da sind wir dann halt so ein bisschen bei den wertschätzenden Gefühlen, sondern es kann eben bei vielen auch umschlagen in dieses Genervtsein. Also, dass man einfach das Gefühl hat, mir wird immer das Gleiche angezeigt. Ich bekomme irgendwie dann doch nicht so das Neue. Ich möchte auch mal was anderes erfahren und ich bin genervt. Das ist, in den meisten Fällen wurden diese Gefühle von Genervtsein geäußert, wenn es wirklich sehr spezifisch war. Also, wir hatten zum Beispiel einen Teilnehmenden, der auf einem Konzert war und im Zuge dieses Konzertbesuches nach einem Künstler gesucht hat in der Suchleiste. Und er hat dann eben festgestellt, dass nachdem er dieses Konzert besucht hat und danach gesucht hat, dass er, um es in seinen Worten auszudrücken, dass seine gesamte For-You-Page nur noch mit diesem Künstler voll war und er gar nichts anderes mehr angezeigt bekommen hat in seiner Wahrnehmung. Und das hat dann eben bei ihm dazu geführt, dass er davon genervt war, dass er gesagt hat, ach, ich wollte doch nur was nochmal zu dieser Person kurz nachgucken. Und jetzt habe ich nur noch diesen Content auf meiner For-You-Page. Das möchte ich ja überhaupt nicht. Und bis zu einem Punkt, dass er so genervt war, dass er gesagt hat, für die Zukunft sich das sozusagen gemerkt hat und gesagt hat, oh, also, ich sehe es jetzt davon ab, bestimmte Suchbegriffe und bestimmte Sachen in die Suche einzugeben. Sonst führt das ja wieder dazu, dass meine ganze For-You-Page vollgespammt wird. Und das ist auch ein super interessanter Fall, dass sozusagen dieses, diese Wechselwirkung der Interaktion mit dem Algorithmus, wenn dann eben sozusagen Signale nicht so umgesetzt werden, wie es die Nutzerinnen und Nutzer erwarten, das kann dann eben auch zu Frust oder genervt sein führen. Kristina Kobrow: Das verstehe ich auch, aber irgendwie denke ich mir trotzdem, bei dem Jugendlichen, den du jetzt genannt hast, gerade mit dem Konzert und dem Suchbegriff, der hätte doch auch irgendwie, der hätte ja, also das, was du jetzt gesagt hast, der hatte irgendwie Scheu davor, das nochmal zu machen, weil er dachte, oh, dann passiert mir das Gleiche wieder und es ist irgendwie immer nur das Gleiche des Gleichen. Aber das Ziel ist doch eigentlich, dass es das ja gerade nicht ist. Also wenn er jetzt ganz viele andere Suchbegriffe eingegeben hätte, dann hätte doch die For-You-Page wieder total divers sein müssen eigentlich. Also da frage ich mich nämlich, die, die sozusagen frustriert sind davon, die können ja interagieren. Interagieren die dann auch wirklich mehr, um eben diesen Frust loszuwerden? Oder denken die sich einfach passiv, ja shit, dann hat nichts gepasst mit TikTok. Leonie Alatassi: Ja, das ist ganz unterschiedlich. Also wir hatten wirklich Teilnehmende dabei in den Einzelinterviews, die sich dadurch auszeichnen, dass sie eben sehr, sehr bewusst versuchen, durch verschiedene Praktiken sich sozusagen ihre For-You-Page zu gestalten. Also die sagen, okay, ich weiß, ich habe die Erfahrung gemacht, wenn ich was like, wenn ich was verschicke, dann hat das einen Einfluss. Also ich weiß sozusagen von mir, welche Interaktionen haben einen Einfluss und dann setze ich das auch gezielt ein. Also die reden auch wirklich davon, nee, ich versuche mir meine For- You-Page zu kreieren, zu gestalten, indem ich dies mache, indem ich jenes mache, um eben negative Gefühle zu vermeiden oder positive Gefühle wie Inspiration, sich eine positive For You-Page zu gestalten, zu bewirken. Also das sind sozusagen die sehr interaktiven, wo auch Emotionen eine große Rolle spielen in die ein oder andere Richtung. Also das gibt es schon und es gibt aber auf der anderen Seite auch einfach passive Nutzende, die wirklich konsumierend dabei sind und denen das einfach, die da nicht so viel reinstecken, die einfach nur konsumieren wollen, die aber nicht das Bedürfnis haben, sich das jetzt aktiv zu gestalten, sondern die sagen, ich nehme das, was ich kriegen kann und zu 90 Prozent spiegelt es auch meine Interessen und das, was ich sehen möchte, wieder. Und wenn mal was dabei ist, was ich irgendwie nicht so mag, dann scrolle ich halt weiter. Kristina Kobrow: Okay, also das sind diejenigen, die sich quasi berieseln lassen. Okay, dann habt ihr auch noch verschiedene Interaktions- und Aneignungstypen klassifiziert, nämlich drei an der Zahl. Welche waren das denn und was hat die so ausgemacht? Leonie Alatassi: Genau, das ist so ein bisschen das, was ich gerade schon angesprochen habe mit Blick auf die Unterschiede, die es eben gibt. Also das sind Typen, die wir auf Grundlage der Einzelinterviews identifiziert haben. Wir haben uns zum Beispiel den Aspekt Wissen angeguckt, also das Bewusstsein und auch die Artikulation von Wissen über algorithmische Empfehlungssysteme, dann die tatsächlichen Interaktionspraktiken und die emotionalen Aspekte dabei. Und auf Grundlage dieser drei Dimensionen haben wir geguckt, wo gibt es Gemeinsamkeiten und wo gibt es Unterschiede. Und den ersten Typ, den ich auch eben erwähnt habe, das sind sozusagen, das haben wir, die Namensgebung ist nicht so super. Das ist oft so in der Forschung, man will das dann möglichst präzise ausdrücken und landet bei komischen Konstruktionen. Es sind die “emotional gesteuerten Hochinteraktiven”. Das bedeutet, wenn wir es auseinander nehmen, also emotional gesteuert, das heißt, das spielt darauf an, dass bei diesen Personen Emotionen, sowohl positiv wertschätzende als auch negative Emotionen eine große Rolle spielen und handlungsleitend sind. Also das beispielsweise auf Grundlage von negativen Emotionen, die hervorgerufen werden, Unzufriedenheit, aktiv das Verhalten angepasst wird und versucht wird, die eigene For-You-Page entsprechend zu kreieren. Und wie wird das gemacht? Indem eben viele Interaktionspraktiken eingesetzt werden. Also das hatte ich ja eben schon mal angesprochen. Da haben wir, ich erinnere mich jetzt noch an, insbesondere an zwei Interviews. Das war eine junge Frau und ein junger Mann, die wirklich ganz detailliert auch mit ihren TikTok-Daten dann beschrieben haben, hier die Likes, die setze ich vor allem dafür ein und kommentieren tue ich zwar nicht so viel, aber ich verschicke das auf, weil ich weiß, dass das Auswirkungen hat und die einfach sozusagen versuchen, das Beste aus ihrer TikTok-Nutzung rauszuholen. Und dann haben wir eher noch einen zweiten Typ, die “rational wissenden Geringinteraktiven”. Also es sind eher nicht so die Emotionen-gesteuerten, sondern die rational denkenden. Das waren dann auch die Jugendlichen und Jungerwachsenen, die von allen das höchste Wissen mit Blick auf Empfehlungssysteme mitgebracht haben. Also die nicht nur das Wort Algorithmus kennen, sondern die auch teilweise sehr detailliert erklären konnten, wie beispielsweise Filter Algorithmen funktionieren, wie auch Mechanismen funktionieren, dass bestimmte Aspekte, die ich gerne mag und like, verstärkt werden. Auch wenn es zum Beispiel um politischen Kontext geht, wird öfter mal diskutiert, dass sozusagen die eigene politische Überzeugung, die ich habe, die wird widergespiegelt in dem, was ich mir angucke und was ich like, was dazu führt, dass mir Positionen und Inhalte mit einer ähnlichen politischen Meinung, wie ich sie habe, angezeigt werden und andere abseitige Meinungen mich gar nicht erst erreichen. Das ist ein Aspekt, der mit Blick auf politische Inhalte bei TikTok öfter diskutiert wird. Das waren dann eben Befragte, die zum Beispiel diese Mechanismen auch erklären konnten. Da redet man dann, vielleicht ist das schon mal untergekommen, eher von Echokammern beispielsweise. Genau. Und das heißt, das sind Personen, die einfach auch ein relativ hohes Wissen mitbringen, sei es jetzt aus Interesse oder weil sie sich gerne mal dazu Videos angeguckt haben, wie das Ganze funktioniert, die aber nicht so stark in diese Interaktionspraktiken involviert sind. Also die liken vielleicht mal ein Video, die setzen das aber nicht gezielt ein, um ihre eigene For-You-Page oder ihren eigenen Algorithmus zu trainieren oder zu beeinflussen. Und dann haben wir noch die “gering reflektierten Vielnutzenden”. Das sind dann die, über die wir auch schon ganz kurz gesprochen haben, die sich brieseln lassen. Also das sind die Teilnehmenden mit der höchsten Nutzung. Also das sind dann wirklich Personen, die viele Stunden pro Tag bei TikTok verbringen und die sich einfach den Content anschauen, den sie dort angezeigt bekommen, ohne groß Einfluss darauf nehmen zu wollen. Die sind dann relativ zufrieden auch mit dem, was sie dort konsumieren. In erster Linie dient die TikTok-Nutzung dem Zeitvertreib. Und da spielt es dann nicht so eine Rolle, wie jetzt meine For-You-Page aufgebaut ist, sondern da spielt es eher eine Rolle, dass mir möglichst meinen Interessen entsprechend viele unterhaltsame Videos angezeigt werden. Kristina Kobrow: Und von welcher Kategorie gab es jetzt am meisten? Leonie Alatassi: Also der erste Typ sozusagen, das waren die, bei denen Emotionen eine große Rolle gespielt haben. Da haben wir vier Personen dem Typ zugeordnet. Vier von zwölf muss man sagen. Es ist nicht repräsentativ. Das sind jetzt die Befragten, mit denen wir gesprochen haben, dass man sich das anschauen kann. Aber das spricht natürlich nicht für alle jungen Menschen. Dann die Rationalen, die Wissenden. Das waren zwei Personen. Und die meisten waren tatsächlich beim dritten Typ mit dabei. Das waren sechs Teilnehmende, die sich weder durch eine hohe Emotionalität noch durch hohe wissensbezogene Aspekte ausgezeichnet haben, sondern die einfach sehr, sehr häufig auf TikTok unterwegs waren und das als reine Unterhaltungsplattform angesehen haben. Und da eben weder das Wissen noch das Interesse, um darüber mehr zu wissen, besteht. Kristina Kobrow: Aber du meintest eben auch, es ist jetzt nicht repräsentativ, dass man sagen kann, das macht wirklich die Mehrheit der Deutschen oder der Mehrheit der Jugendlichen. Das ist einfach das Ergebnis von deiner, eurer qualitativen Untersuchung. Leonie Alatassi: Genau. Das ist ganz wichtig dazu zu sagen, weil es uns eben nicht darum ging, repräsentative Aussagen zu treffen, sondern zu verstehen, wie unterschiedlich Jugendliche und junge Erwachsene auf TikTok handeln und wie unterschiedlich das Wissen und der Umgang mit algorithmischen Empfehlungssystemen ist. Und vor allem auch, dass es noch nicht so breit beforscht, vor allem eben der Aspekt der Emotionen dabei. Kristina Kobrow: Kann man irgendwie ableiten, welche Gruppe denn eigentlich die sozusagen beste wäre? Sowohl aus Sicht der Nutzenden als vielleicht auch aus Sicht der Plattformen? Wäre das eher so ein Hybrid aus die rational Wissenden, viel Interagierenden? Leonie Alatassi: Schwierig. Also, wenn man jetzt mal die Perspektive der Plattformbetreiber einnimmt, dann ist das natürlich der Typ 3. Kristina Kobrow: Aber die interagieren ja nicht. Leonie Alatassi: Die interagieren nicht, aber die verbringen ja super viel Zeit auf der Plattform. Und das ist, klar, Interaktion, das ist das, wovon sozusagen die Plattform lebt natürlich auch. Aber in erster Linie sollen ja möglichst viele Menschen möglichst viel Zeit auf der Plattform verbringen. Wenn man jetzt so die Perspektive einnimmt, dass, ja, ich weiß jetzt gar nicht, wie ich es nennen soll, so ein bisschen aus der Medienkompetenzperspektive, wo es einfach darum geht, dass Jugendliche und junge Erwachsene selbstbestimmt Medien nutzen und selbstbestimmt sich auf der Plattform zurechtfinden, würde ich sagen, ist natürlich der zweite Typ irgendwie am vorteilhaftesten, weil er schon sehr viel Wissen mit sich bringt. Aber ich denke, dass es nicht unbedingt wichtig ist, wie viel Zeit man jetzt auf der Plattform verbringt, sondern dass einem einfach bewusst ist, welche… Also, “was bedeutet es, wenn ich Zeit auf der Plattform verbringe? Welche Daten gebe ich da preis?” Dass man sich dessen bewusst ist und dass man dann eben bewusst aber auch entscheiden kann, möchte ich das, möchte ich das nicht? Kristina Kobrow: Das wollte ich dich auch noch mal abschließend fragen. Also, kannst du nochmal vielleicht zusammenfassen: Was für Handlungsoptionen habe ich auf TikTok? Also, worüber muss ich mir oder sollte ich mir Gedanken machen, wenn ich da unterwegs bin? Leonie Alatassi: Also, man hat sehr viele verschiedene Möglichkeiten. Natürlich muss man bestimmte Richtlinien akzeptieren, um auf der Plattform tätig zu sein. Aber es ist wirklich interessant, dass es viele verschiedene Einstellungen auch in den Profileinstellungen gibt, die man vornehmen kann. Also, das ist so etwas wie beispielsweise, dass ich, was jetzt personalisierte Werbung angeht, dass ich da Einstellungen treffe, dass ich beispielsweise keine personalisierte Werbung möchte. Oder was die Suche angeht, da gibt es sehr viele Einstellungen zur personalisierten Suche. Also, wenn ich diese Suchleiste benutze, inwiefern das dann individualisiert auf mich zugeschnitten wird. Oder wenn es jetzt um die Interaktionen geht, dass ich einstellen kann, können andere sehen, welches Video ich mir wie oft angucke? Können andere unter meinen Videos kommentieren? Solche Sachen kann man ja auch einstellen. Man kann aber zum Beispiel auch über die App die eigene Nutzung einschränken. Also, man kann zum Beispiel Einstellungen vornehmen, die die Bildschirmzeit beschränken, dass ich dann eben nicht drei Stunden auf TikTok sein kann, sondern dass ich da eine Beschränkung habe und nur zwei Stunden zum Beispiel. Kristina Kobrow: Das kann ich in TikTok einstellen? Leonie Alatassi: Ja, das kann man sowohl am Handy einstellen, als auch in der App selbst. Also, da gibt es eine Reihe an Einstellungen, durch die man sich mal durchklicken kann. Das wird auch ständig erweitert. Also, wahrscheinlich gibt es heute, wo wir jetzt hier zusammensitzen, noch mehr Einstellungen, die ich vornehmen kann. Aber ich fand das wirklich überraschend zu sehen, dass es, wenn man sich damit beschäftigt, es viele verschiedene Möglichkeiten gibt. Das ändert natürlich nichts daran, dass ich, dadurch, dass ich der Datenschutzrichtlinie zustimmen muss, dadurch, dass ich der Cookies-Richtlinie zustimmen muss, dass alles auch nicht 100 Prozent transparent ist. Das heißt, wir wissen also auf Forschungsseite, aber auch auf Nutzendenseite, weiß man gar nicht zu 100 Prozent offen und transparent, welche Daten genau gesammelt werden, in welchem Umfang, was damit passiert, was auch mit Plattformverknüpfungen passiert. Weil TikTok, in dem Moment, wo ich das nutze und da zustimme, werden ja auch Connections zwischen den Plattformen hergestellt und datenübergreifend ausgewertet. Also, das ist nicht so 100 Prozent transparent. Und ich finde, das ist am wichtigsten, ist es eben, Bewusstsein darüber zu vermitteln, also aufzuklären und Bewusstsein zu vermitteln, um dann eben bewusst entscheiden zu können. Kristina Kobrow: Da muss ich jetzt noch mal ansetzen und dann hören wir auf. Wie schaffe ich dieses Bewusstsein denn? Also, was für Instanzen gibt es und wie kommen die Jugendlichen und jungen Menschen an die Informationen, wenn sie es nicht über die Plattform direkt tun? Leonie Alatassi: Ja, das ist eine gute Frage. Also dazu kann ich sagen, dass die Studie ja im Kontext der Initiative #UsetheNews entstanden ist. Das ist eine Initiative zur Förderung von Nachrichten und Medienkompetenz unter vor allem Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die eben sozusagen die journalistische Perspektive, aber auch die Bildungsinitiativen Perspektive und die Forschungsperspektive zusammenbringt. Und da in dem Kontext stellen wir uns natürlich auch die Frage, “was heißt das denn jetzt alles? Wo musste man vielleicht ansetzen?” Und ich finde das immer am wichtigsten auch zu sagen und festzuhalten, dass TikTok, aber auch andere Plattformen für junge Menschen natürlich ein super wichtiger Ort einfach für Kommunikation und für soziale Interaktion sind. Also das dürfen wir nicht vergessen. Damit werden sehr, sehr wichtige Bedürfnisse erfüllt, die vor allem junge Menschen haben. Beispielsweise gruppenbezogene Bedürfnisse, sowas wie Gruppenzugehörigkeit, Identitätsfindung. Also da nehmen Social Media Plattformen einfach eine sehr wichtige Rolle ein. Also das finde ich ist immer wichtig, dass wir das nicht vergessen und dass wir das auch anerkennen. Also junge Menschen haben Recht auf Teilhabe, auf digitale Teilhabe. Und das ist einfach ein wichtiger Ort, wo man in dem Alter halt stattfinden muss. Das kann man ja auch nicht absprechen. Ich denke, es geht oder es sollte halt eher darum gehen, dass junge Menschen sozusagen zu eigener Handlungsfähigkeit und digitaler Souveränität befähigt werden. Also dass man eben schaut, wie kann ich Kenntnisse vermitteln? Also sozusagen auf rein kognitiver Ebene erstmal zu vermitteln, was sind algorithmische Empfehlungssysteme? Was passiert da? Klar, wir haben gesehen jetzt auch in der Studie, dieses generelle Bewusstsein gibt es. Und was ich am Anfang gar nicht erwähnt habe, aber in allen Fokusgruppen wurden diese klassischen Engagementpraktiken wie Likes, Kommentare, das wurde alles identifiziert als Einflussfaktoren. Also dass das Wissen gibt ist, dass das, was ich da mache, Auswirkungen hat. Aber wenn es dann sozusagen eine Ebene tiefer geht und es auch um andere personenbezogene Daten geht, die dann Einfluss haben, dann ist das Wissen nicht so groß. Und darüber haben wir auch am Anfang geredet. Die Bedenken sind nicht so groß. Und ich würde argumentieren, dass die Bedenken nicht so groß sind, weil ja der Nutzen überwiegt. Es ist halt eine tolle Plattform, die ich gerne nutze, der Nutzen überwiegt. Und aber auch die Unkenntnis überwiegt in meisten Fällen. Und wenn ich natürlich nicht weiß, was erhoben wird, was mit meinen Daten passiert, dann ist mir das vielleicht auch nicht so wichtig. Also wenn ich aufgeklärter darüber bin, vielleicht habe ich dann ein höheres Problembewusstsein oder entscheide anders. Deswegen glaube ich geht es in erster Linie erstmal darum, einfach Wissen zu vermitteln und dann in einem zweiten Schritt darum, eigenständiges Handeln zu fördern in dem Wissen, was ich habe und die Plattform eben im besten Falle halt so zu nutzen, wie ich es möchte. Aber wie genau, das ist natürlich die spannende Frage. Aber da werden wir auch, also da sind wir gerade auch bei #UsetheNews mit dabei, Workshops zu konzipieren, auch unter anderem auf Grundlage der Studie, die dann eben Medienpädagogen und Pädagoginnen mit einbeziehen, Bildungsinitiativen mit einbeziehen und eben schauen, wie kann man möglichst ansprechend und interaktiv und auch die Rolle von Emotionen berücksichtigen, Workshops gestalten, Interventionen gestalten, die ja Jugendlichen und jungen Erwachsenen dabei helfen, sie zu befähigen. Kristina Kobrow: Und die Website, den Link, den packen wir auch noch mal in die Shownotes rein. Dann, liebe Leonie, würde ich sagen, vielen Dank für die geballten Infos. Leonie Alatassi: Sehr gerne. Kristina Kobrow: Und dann dir noch einen schönen Tag. Leonie Alatassi: Das wünsche ich dir auch.